Wind park - source Pixabay

Was wurde aus…?

Auf der Techtextil 2017 heimste ein neuartiges Gestrick aus Basalt als Schutz gegen Unterwasserbewuchs an Windrädern und Brückenpfeilern den „Techtextil Innovation Award“ in der Kategorie „New Application“ ein. Was ist daraus geworden?

„Der Innovationspreis der Techtextil hat das Basaltgestrick gepusht“, sagt André Niemann, Geschäftsführer der Peterseim Strickwaren GmbH, die üblicherweise Strickmode aus Kaschmir, Schurwolle, Alpaka und Baumwolle herstellt. Zahlreiche Interessenten aus dem In- und Ausland, so Niemann, hätten ihn in den Wochen nach der Preisverleihung wegen der neuartigen „Hose aus Basalt“ angefragt. Deren Ansatz: An Brückenpfeilern, Monopiles von Offshore-Windkraftanlagen und Fundamenten von Ölplattformen soll sie das Fouling verhindern. Es tritt ein, wenn Mikroorganismen, Pflanzen und Meerestiere an Schiffsrümpfen und Unterwasserbauten abhängen. Bisher wird aufwendig gereinigt oder mit chemischen Anstrichen und speziellen Folien verhindert, dass sich die Organismen allzu wohlfühlen – in Zeiten irrwitziger Mengen an (Mikro-)Plastik in den Weltmeeren keine so gute Idee. 

oMacht was her: Mit der Basalt-Ummantelung sollen künftig im großen Stil Offshore-Windparks vor unerwünschtem Fouling geschützt werden (Quelle: Peterseim Strickwaren)

Macht was her: Mit der Basalt-Ummantelung sollen künftig im großen Stil Offshore-Windparks vor unerwünschtem Fouling geschützt werden (Quelle: Peterseim Strickwaren)

Von Hotspots zu Hotpants

Basalt eignet sich da besser, denn für den gefahrlosen Einsatz unter Wasser bringt es eine wichtige Eigenschaft mit: Es ist natürlichen Ursprungs. Das Ergussgestein wanderte einst als Magma aus Vulkanen und Hotspots an die Erdoberfläche. Dort erkaltete es zu Basaltlava, die heute zu Fassadenplatten, Treppen, Grab- und Denkmälern verarbeitet wird ­– oder zu besagten „Hotpants“ für Unterwasserbauten. „Basalt ist ein hundertprozentiges Naturprodukt“, sagt Niemann, der mit dem neuartigen Gestrick eine nachhaltige Lösung anbieten will, um den Einsatz von Chemie und Plastik unter Wasser zu reduzieren. Auch teure Reinigungs- und Instandhaltungsmaßnahmen sollen damit entfallen.

Dubai - Quelle Peterseim Strickwaren

Maritime Hosen: Taucher befestigen an einem Brückenpfeiler in Dubai das Gestrick aus Vulkangestein (Quelle: Peterseim Strickwaren)

Schnurstracks unter Wasser

Alles fing mit einer Boje in der Ostsee an: „Wir haben im Rahmen eines Forschungsprojekts als Industriepartner eine Basalt-Ummantelung für eine Boje gestrickt“, erzählt Niemann. Deren bewuchshemmende Wirkung gegen Mikroorganismen sei so überzeugend gewesen, dass sofort im Anschluss an die Forschungsarbeiten im Februar 2017 eine Marktanalyse zu möglichen Anwendungen erstellt wurde. Im Mai folgte der Techtextil-Innovationspreis. Dann ging es schnurstracks unter Wasser: Firmen in Singapur und Dubai, die schwerpunktmäßig die Infrastruktur von Häfen warten, testen derzeit an einer Meerwasserentsalzungsanlage und Brückenpfeilern die Basalt-Hose, die von Tauchern oder Tauchrobotern angebracht wird. „Eine Maximaltiefe gibt es nicht“, sagt Niemann, den inzwischen auch Anfragen aus der Baubranche und von Filtrationsexperten erreichen. Sogar ein Kunstprojekt läuft: „Ich kann nicht viel verraten, aber es geht um schwimmende Objekte auf dem Meeresboden.“ Eines dürfte sicher sein: Sie werden fesche (Basalt-)Hosen tragen. ++

Titelbild: Pixabay

Ronny Eckert

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