Vom energieeffizienten Faserprüfstand über recyclebares Carbonparkett und Öko-Handyschalen

Das Institut für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen University präsentiert seine Forschungskompetenz mit Maschinen und Exponaten auf der Techtextil. Dazu bietet das ITA in Kooperation mit der RWTH International Academy einen neuen Masterstudiengang ‚Master of Textile Engineering‘ für eine internationale Zielgruppe von Ingenieuren an, die sich nach erfolgreich abgeschlossenem Bachelorstudium und ersten Berufserfahrungen in der Textilindustrie weiterbilden möchten.

Faserprüfstand – energieeffizienter pneumatischer Fasertransport

In Spinnereien und der Vliesstoffproduktion werden Fasern üblicherweise mittels Luftstrom von einer Prozessstufe zur nächsten transportiert. Je nach Größe der Produktionsstätte können die Rohrsysteme Längen von bis zu 200 m aufweisen. Die dazu eingesetzten Ventilatoren und Gebläse sind häufig bis zu 30 % überdimensioniert, um Prozesssicherheit bei allen Materialien zu gewährleisten. Schätzungen zufolge kostet der Betrieb eines Ventilators in einer Spinnerei etwa 13.000 € pro Jahr (bei einem angenommenen Strompreis von 10 Cent/kWh). Vorstudien haben ergeben, dass heutige Fasertransportsysteme Energieeinsparpotentiale von 20 bis 30 % bieten. Das ITA Aachen arbeitet daran, den Energieverbrauch zu reduzieren.
Das Projektziel im Ziel2.NRW Projekt Effect ist die Verringerung des Energieverbrauchs in Fasertransport-systemen. Durch ein Online-Regelungssystem für Luft- und Materialstrom wird der Transport energieeffizienter gestaltet.
Der auf dem Messestand ausgestellte Versuchsstand bietet die Möglichkeit, den Luftstrom online in einem

Faserprüfstand

Faserprüfstand

Transportrohr zu regulieren, um gezielt auf den Transport von Faserflocken einzuwirken. Der Versuchsstand erfasst Luftgeschwindigkeit und Differenzdruck zwischen Gebläse und Faserleitkanal. Zusätzlich kommt ein Hochgeschwindigkeitskamerasystem zum Einsatz. Das Kamerasystem nimmt die Bewegung der Faserflocken auf und lässt Rückschlüsse auf die Transportbedingungen im Faserleitkanal zu. Die Förderzustände werden aufgezeichnet und helfen, die dem Gebläse zugeführte Energie so zu minimieren, dass ein optimaler kontinuierlicher Fasertransport gewährleistet ist.
Der ausgestellte Versuchsstands hält Faserballen unterschiedlicher Größe ‚in der Schwebe‘, um die Funktionsweise der Messtechnik zu verdeutlichen (s. Bild 1 ‚Faserprüfstand‘, Quelle: ITA). Weitere Informationen erhalten Sie über marko.wischnowski@ita.rwth-aachen.de

 


Advanced Tailored Non-crimp Fabric (T-NCF)

 Glasgelege mit Carbon T-Stringer_Advanced T-NCF

Glasgelege mit Carbon T-Stringer_Advanced T-NCF

Advanced T-NCF bezeichnet ein maßgeschneidertes Multiaxialgelege, bei dem ein Carbon T-Stringer auf ein Glasgelege aufgesetzt und direkt mit diesem verwirkt wird. Der T-Stringer wird bereits vor dem Verwirken auf die Rovings aufgesetzt. Dadurch ist erstmalig das gleichzeitige Verwirken der Rovinglagen mit dem T-Stringer möglich.
Verstärkungen können so gezielt eingebracht werden und reduzieren dadurch den Verschnittanteil. Sie sind durch die Verbindung mit den unteren Lagen gut handhabbar.
T-NCF sind besonders für Hochleistungsanwendungen mit hohen mechanischen Anforderungen, wie z. B. im Flugzeugbau oder für Rotorblättern in Windkrafträdern interessant (s. Bild 2 ‚Glasgelege mit Carbon T-Stringer‘, Quelle: ITA). Weitere Informationen erhalten Sie über marcel.haeske@ita.rwth-aachen.de.

 

Carbonparkett – individuell gestaltbar und anpassbar

Carbon-Parkett

Carbon-Parkett

Carbon, das leichte und belastbare Material, wird zurzeit hauptsächlich im Automobil- und Luftfahrtbereich

eingesetzt. Das ITA geht mit der Ausstellung auf der Techtextil in Frankfurt/Main einen Schritt weiter, um neue Branchen für diesen Werkstoff zu gewinnen. Carbonparkett verbindet eine raffinierte Holzoptik mit den Vorteilen eines robusten Faserverbundkunststoffes. Es kann im Möbelbau als Dekorelement und in der Architektur als Bodenbelag eingesetzt werden (s. Bild 3 ‚Carbonparkett‘ und Bild 4 ‚Sideboard mit Carbon-Dekoelement‘). Integrierte lichtleitende Fasern bringen die Oberfläche des Carbonparketts zum Leuchten. Anzahl, Größe und Anordnung der

Sideboard mit Carbon Dekoelement

Sideboard mit Carbon Dekoelement

Lichtpunkte sind individuell gestaltbar. Darüber hinaus kann das Material in beliebigen Farben hergestellt werden.
Da verschiedene Materialien kombiniert werden, gibt es hinsichtlich Farbe, Maserung, Muster und Geometrie keine Beschränkung. Das ermöglicht eine kundenindividuelle Produktgestaltung. Weitere Informationen erhalten Sie über mesut.cetin@ita.rwth-aachen.de.

 

 

 

I-Phone-Handyschalen aus Naturfaser­verbund­werkstoffen

I-Phone-Handyschalen aus Naturfaserverbundwerkstoffen

I-Phone-Handyschalen aus Naturfaserverbundwerkstoffen

Die Handyschalen sind zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanf und Polylactiden (PLA) hergestellt. Sie schützen das Handy vor Unfallschäden und Abrasion. Die Handyschalen sind für folgende Zielgruppen interessant: Vlieshersteller und -zulieferer, Composite-Hersteller und -Zulieferer, Naturfaserzulieferer, PLA-Hersteller und –Zulie-ferer.
Das ITA stellt die Vliesstoffe, die Formen und die Faserverbundwerkstoffe für die Handyschalen her. Mit dieser Handyschale demonstriert das ITA eine weitere neue Anwendungsmöglichkeit von nachwachsenden Rohstoffen (s. Bild 5 I-Phone-Handyschalen aus Naturfaserverbund-werkstoffen, Quelle: ITA). Weitere Informationen erhalten Sie über sangeetha.ramaswamy@ita.rwth-aachen.de.

 

Textile Elektroden – Lumbalbandage

Lumbalbandage

Lumbalbandage

Die Lumbal- oder Lendenbandage ist eine Bandage mit moosgestickten Elektroden zur Elektrostimulation. Die Elektroden sind in das Textil integriert und müssen nicht extra auf die Haut geklebt und positioniert werden. Die dreidimensionale Struktur der Moosstickerei schafft einen guten Hautkontakt und eine angenehme Haptik. Auf diese Weise ist die Therapie mobil, komfortabel und leicht zu bedienen. Die Lumbalbandage ist für eine breite Zielgruppe von Fitnessinteressierten und  Sportlern bis hin zu Schmerzpatienten und Chronisch-Kranken interessant. Das ITA ist verantwortlich für die Entwicklung der moosgestickten Elektroden und sorgt dafür, dass der Prozess beim Moossticken der Elektroden mit silberbeschichteten Garnen stabil verläuft (s. Bild 6 ‚Lumbalbandage‘, Quelle: ITA).
Weitere Informationen erhalten Sie über melanie.hoerr@ita.rwth-aachen.de.

 

T-Profil aus Textilbeton

Das textile T-Profil ist eine Neuheit im Bereich textiler Bewehrungsstrukturen für Beton in Zusammenhang mit einem automatisierten Herstellungsprozess im Forschungsgebiet ‚Textilbeton‘.

Profile jeglicher Art spielen bei Gebäudetragwerken eine wichtige Rolle. Dabei ermöglicht der neue Verbundwerkstoff ‚Textilbeton‘ vor allem dünnwandige und tragfähige Bauelemente. Die Fa. Gerster GmbH entwickelte eine Produktionsanalage, die offenmaschige textile Bewehrungsprofile automatisiert herstellt. Das ITA tränkte diese neuen Bewehrungsprofile mit einem Epoxidharzsystem und nutzte die neuen Profile zur Bewehrung eines Betonprofils.

Das T-Profil ist besonders für die Hersteller von technischen Textilien, Textilbetonhersteller/-instituten interessant. Es bietet neue Bewehrungsmöglichkeiten, u. a. als Schub­bewehrung bei Sandwichelementen. Als Beispiel dient die InsuShell-Fassade am ITA-Hauptsitz in Aachen.

T-Profil aus Textilbeton

T-Profil aus Textilbeton

Das ITA verfügt vor allem bei der Auslegung des textilen Bewehrungsgrads und der Beschichtung über Kompetenzen, die gemeinsam mit den Kompetenzen der Fa. Gerster für die Produktentwicklung genutzt werden können. Ein gemeinsames Forschungsprojekt ist geplant (s. Bild 7: ‚T-Profil aus Textilbeton‘, Quelle: ITA). Weitere Informationen erhalten Sie über udit.gohil@ita.rwth-aachen.de

 

Darüber hinaus bietet das ITA zum Wintersemester 2015/16 einen neuen internationalen Master-Studiengang an.

Internationaler Masterstudiengang in Textiltechnik ‚Master of Science in Textile Engineering‘ der RWTH Aachen University

 ITA-Studenten demonstrieren berührungsloses optisches Messverfahren

ITA-Studenten demonstrieren berührungsloses optisches Messverfahren

Der ‚Master of Science in Textile Engineering‘ eröffnet den Studierenden umfassendes Fachwissen zur Entwicklung und Herstellung Technischer Textilien. Er spricht insbesondere eine internationale Zielgruppe von Ingenieuren an, die nach erfolgreich abgeschlossenem Bachelorstudium bereits erste Berufserfahrungen in der Textilindustrie gesammelt haben und sich nun weiter fortbilden möchten. Der M. Sc. Textile zielt durch das zweisprachige Konzept (Englisch und Deutsch) auch auf eine langfristige Gewinnung von Fachkräften für Industrie und Forschung in Deutschland ab (s. Bild 8: ‚ITA-Studenten demonstrieren berührungsloses optisches Messverfahren, Quelle: ITA).
Weitere Informationen zu den Studieninhalten und Bewerbungsprozessen erhalten Sie auf der Webseite: http://master-mechanical-engineering.com/content/msc-textile-engineering;  k.heck@academy.rwth-aachen.de

(Quelle: ITA der RWTH Aachen)

Marc Chalupsky

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