Transatlantische Textil-Familie

Auf dem Weg in die Innenstadt Atlantas erinnert das Hochhaus der Bank of Americas stark an den Frankfurter Messeturm. Und spätestens die Fahrt durch die Peachtree Road macht klar: Was dem Frankfurter Apfel und Mispel, ist dem Einwohner Atlantas der Pfirsich. Abseits von Skyline und der Vorliebe für heimische Früchte haben beide Städte aber noch mehr gemeinsam: Alle zwei Jahre finden hier die Techtextil und Texprocess statt.

Vom 3. bis 5. Mai versammelten Techtextil North America und Texprocess Americas parallel zur JEC Americas insgesamt 519 Anbieter technischer Textilien und der textilverarbeitenden Industrie aus mehr als 30 Ländern im CNN World Congress Center. Auch auf der US-Ausgabe beider Messen stieß man auf viele bekannte Gesichter. Von A wie American and Efird über Gerber und Groz-Beckert bis hin zu Z wie Zwickauer Kammgarn waren neben regionalen Ausstellern viele regelmäßige Aussteller der Frankfurter Ausgaben dabei.

Insgesamt 9.357 Besucher informierten sich über die Produktneuheiten der 589 Aussteller auf der Techtextil North America, Texprocess Americas and JEC Americas 2017.

Insgesamt 9.357 Besucher informierten sich über die Produktneuheiten der 589 Aussteller auf der Techtextil North America, Texprocess Americas and JEC Americas 2017.

Lenzing aus Österreich präsentierten Anwendungen ihrer Cellulose-Faser (FR) und Lyocell-Faser (Tencel) wie Schuhe aus der aktuellen H&M Conscious Collection. Mit e-Textilien beeindruckten Litex Textile and Technology aus Taiwan. Die Sandler AG aus dem bayrischen Schwarzenbach zeigte Absorber-Vliesstoffe für die Automobil- und Bauindustrie sowie für die Filtration. „Besonders für Kunden, die keine Glasfasern anwenden möchten, bieten unsere Produkte eine echte Alternative“, so Gerhard Klier, Verkaufsleiter Technische Produkte bei Sandler. Ende letzten Jahres hat Sandler einen Produktionsstandort in den USA eröffnet. Ebenfalls in die USA expandiert hat Dr. Karl Wetekam & Co. aus Melsungen. Deren Tochtergesellschaft Wetekam Monofilaments USA wächst mit technischen Textilien aus den eigenen Extrusionsanlagen.

Der Erfolg der US-Tochtergesellschaften wird beflügelt durch die Tendenz der US-Textilindustrie zum „Re-Shoring“ und „Near-Shoring”. Der amerikanische Branchenverband SPESA (Sewn Products Equipment & Suppliers of the Americas), Mitveranstalter der Texprocess Americas, beobachte ein Wachstum besonders im nord- und mittelamerikanischen Mode- und Bekleidungssektor, so Geschäftsführer Dave Gardner während der gemeinsamen Eröffnungspressekonferenz.

Wenige Meter weiter auf der Texprocess Americas ging es ebenso betriebsam zu: Den eigenen Körper für wissenschaftliche Zwecke konnte einsetzen, wer sich in den 3D-Bodyscanner von Human Solutions wagte. Mit dem Projekt „Size NorthAmerica“ vermessen die aus Kaiserslautern stammenden IT-Spezialisten den Durchschnittsamerikaner. Ihr Ziel: Den Materialeinsatz in der Bekleidungsproduktion zu optimieren und Reklamationen im Online-Handel zu reduzieren. Vor dem Stand von Jeanologia aus Spanien bildeten sich zeitweise Menschentrauben. Die Finishing-Experten stellten zum ersten Mal auf der Texprocess Americas aus und veredelten live Jeans mit einem Laser. Für gezückte Smartphones sorgten außerdem die zweiarmigen 3D-Näh-Roboter am Stand von Henderson Sewing Machine Inc. sowie das Vision Sewing System von Brother. Integriert in eine programmierbare Nähmaschine erkennt es automatisch Umrisse von Applikationen für Textilien und näht sie auf.

Aktuell beziehen die USA Näh- und Bekleidungstechnologie vor allem aus China, Japan, Taiwan sowie aus Deutschland. Laut Angaben des VDMA Bekleidungs- und Ledertechnik exportierten deutsche Hersteller im vergangenen Jahr Maschinen im Wert von 40 Millionen Euro in die USA.

Die nächste Gelegenheit, sich über internationale Trends und Innovationen in der Textilindustrie zu informieren, bieten die kommende Techtextil und Texprocess vom 9. bis 12. Mai 2017 in Frankfurt am Main.

Lilliffer Seiler

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