Ronny Eckert / Foto: Nachtwaechter

Stille Nacht, heilige Nacht

Männer tun es, Frauen auch; ist Alkohol im Spiel, fallen ihm über Nacht schon mal ein paar Hektar Wald zum Opfer: dem Schnarchen. Ein Erfinder vom Rande der Schwäbischen Alb will das nächtliche Sägen mit einer Mischung aus Kaltschaum und Fasern abstellen.

„Einer der Hauptgründe für das Schnarchen ist die Rückenlage beim Schlafen“, sagt Marcus Ruoff, Geschäftsführer der Nachtwaechter Schlafprodukte GmbH & Co. KG mit Sitz im schwäbischen Riedlingen. Kiefer, Zunge und Gaumensegel können dabei nämlich in eine mustergültige Schnarch-Position rutschen und so die Atemwege blockieren. Über drei Jahre hat Ruoff deshalb an einer speziellen Schlafweste gebastelt, die sich der (oder die) Sägende nächtens umschnallt, um die Seitenlage zu trainieren. Ähnlich einem Käfer, der in misslicher Rückenlage nur schwerlich von alleine wieder auf die Beine kommt, soll damit das Schlafen auf dem Rücken bewusst vermieden – und das Schnarchen verhindert werden.

„Klingt simpel, doch der Weg zum finalen Produkt war alles andere als einfach“, erinnert sich Ruoff, dem es erst nach langer Suche gelang, einen geeigneten Partner zur textil- und faserseitigen Umsetzung seiner Idee zu finden: einen europaweit führenden Hersteller von Sportartikel-Bekleidung für Tri-, Biathleten, Radsportler und Bergsteiger. Zwar hatte das Unternehmen Zugang zu den besten Fasern und Stoffen am Markt, doch nun begann die Suche nach dem besten Faser-Mix. Und die war beinahe so aufwendig wie der Kampf gegen das Schnarchen selbst: Die Textil-Mischung musste sich mühelos an verschiedene Körperformen und -größen anpassen können, klimaneutral, schweißabsorbierend, waschbar, weich und anschmiegsam sein, aber zugleich auch robust und stabil. Nach etwa zwei Jahren hatten Ruoff und sein Team endlich den optimalen Mix aus Polyethylen-, Polyamid- und Elastan-Fasern gefunden, der den drehungsbremsenden Kaltschaumkern im Inneren der Weste umhüllt.

Das fertige Textilprodukt schaffte es sogar in die mit dem deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete Gründershow „Höhle der Löwen“. Darin buhlen ideenreiche Gründer um Investorengelder. 200.000 Euro war einem der Löwen die Beteiligung an der Anti-Schnarch-Weste wert. Offenbar hat sich das Engagement gelohnt: Die nach Oeko-Tex®-Standard gefertigte Weste wird inzwischen in sechs Ländern vertrieben. „Übrigens, zum Thema Frauenschnarchen: Das gilt ja in der Regel als Tabuthema, denn es wird eher als peinlich empfunden, kommt aber fast so häufig vor wie bei Männern“, verrät Ruoff, der etwa drei bis sechs Monate für das Tragen seiner Weste einzuplanen empfiehlt, bis man wieder in himmlischer Ruh schläft. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt indes für beide Geschlechter: In dieser Zeit fällt der/die WestenträgerIn als kleiner Löffel aus.

Ronny Eckert

Über Ronny Eckert

Mehr zu den Autoren

Zeige alle Beiträge von Ronny Eckert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*