Palladium retour: Textile „Fänger“ für Wertmetalle aus Industrieabwässern

Das 1803 entdeckte Edelmetall Palladium macht den Anfang; Gold, Silber, Platin und vielleicht auch Seltene Erden werden folgen: Die Rede ist von einer äußerst innovativen Methodik zur Wertmetallrückgewinnung selbst aus niedrig konzentrierten Industrieabwässern durch den Einsatz textiler Adsorbermaterialien. Das am Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West gGmbH(DTNW) in Krefeld entwickelte Verfahren, das zum EU-Patent angemeldet wurde, empfiehlt sich zudem für die Dekontamination von Schwermetall-belasteten Grundwasser und Böden.

Diese Steilvorlage von Seiten der Textilforschung für das rohstoffhungrige und auf Kreislaufwirtschaft bedachte Deutschland war für das Bundeswirtschaftsministerium Anlass, den Rohstoffeffizienzpreis 2014 in der Kategorie Forschungseinrichtungen an das DTNW und das kooperierende Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V. (IUTA) in Duisburg zu vergeben. Ein Expertenvortrag von DTNW-Arbeitsgruppenleiter Dr. Klaus Opwis am 6. Mai. auf dem Techtextil-Symposium verspricht über dieses spezielle Thema hinaus breiten Anwendernutzen, der sich mit Blick auf die Industrie durch modifizierte textile Oberflächen ankündigt.

Das im Rahmen der IGF-Vorlaufforschung eingesetzte preiswerte „Fänger“-Material Polyvinylamin kann durch gängige Verfahren der Textilausrüstung einfach und im industriellen Maßstab mit dem textilen Träger aus Polyester kombiniert werden. Das führt zu textilen Substraten mit außerordentlich hohen Polyvinylamin-Auflagen zwischen 20 und 30 Gewichtsprozenten. Das neue Absorbermaterial zeigte bei der Filtration von Palladium-haltigem Abwassers aus der Leiterplattenindustrie seine Leistungsfähigkeit: So konnten bis zu 20 mg Palladium je Gramm Textil gebunden werden. Die nachfolgende Verhüttung lieferte das reine Edelmetall. Die Ergebnisse des Projekts ermöglichen klein- und mittelständischen Unternehmen der Textilindustrie, mit geringem Aufwand ein hochgradig innovatives textiles Spezialprodukt für die Rückgewinnung von Edelmetallen aus industriellen Reststoffströmen herzustellen und entsprechend zu vermarkten. Neben der Galvano- und Schmuckindustrie könnte das Verfahren nach weiteren Ausbaustufen auch bei der Aufbereitung von Elektronikschrott und Autokatalysatoren Anwendung finden.

Auf Grund der Nutzwertpotenziale der textilbasierten Rückgewinnungsmethodik sind die Entwickler mehrere strategische Allianzen mit namhaften Industriepartnern eingegangen. Entsprechende Förderprojekte zur Verfahrensmodifikation mit dem Ziel der großtechnischen Einsetzbarkeit wurden beantragt bzw. laufen bereits. Textilforscher Opwis ist zuversichtlich, dass sich das Verfahren sogar auch für „dünne“ Lösungen, die bisher nur aufwendig oder gar nicht aufgearbeitet wurden, eignet. Nach seinen Worten könne die Entwicklung zu einer völlig neuen Dienstleistung führen: Ein mobiler Erfassungsservice, der auch kleinere Abwassermengen vor Ort mit textilen Filtersäcken abreinigt und zur metallurgischen  Aufbereitung transportiert. Auch kleinere Firmen könnten dann mühelos molekulare Wertstoffpartikel erfassen und zu einem guten Preis in die Kreislaufwirtschaft einspeisen.

Foto oben: Stufen der Palladium-Rückgewinnung aus Industrieabwässern

Marc Chalupsky

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