Nadeln in Mode: Kleidung aus Kiefernnadel-Fasern

Wenn man an Kiefernnadeln denkt, denkt man an grüne Wälder oder Naturheilmittel wie Kiefernnadelöl. Die Textilbranche nutzt sie bislang kaum, dabei rieselt der anspruchslose, schnell nachwachsende Rohstoff in großen Mengen von den Bäumen. Die freiberufliche Textildesignerin Katharina Jebsen hat Kiefernnadeln im Rahmen ihrer Masterarbeit „My Way“ im Rahmen des Studiengangs Conceptual Textile Design an der Burg Giebichenstein untersucht. Sie hat sich die Frage gestellt, welche Möglichkeiten Kiefernnadeln für die Flächenbildung bieten. Dabei reichten ihre Ideen von Plattenmaterialien für den Innen- und Außenbereich über Gefäße bis hin zu textilen Flächen für Interieur und Bekleidung.

Für die Textilindustrie sind vor allem die feinen, innenliegenden Kiefernnadel-Fasern ohne die trockenen Hüllblätter interessant. Eine Herausforderung stellt allerdings die industrielle Freilegung dar, mit der diese Fasern gewonnen und die sehr feinen Garne erzeugt werden können. Die Garne können mit natürlichen Farbstoffen gefärbt werden. Darüber hinaus erzeugen unterschiedliche Kiefernarten verschiedene Naturfarbtöne, mit denen Textilien bedruckt werden können.

Diesen Rohstoff für die Textilindustrie nutzbar zu machen, birgt ein riesiges Potenzial. Die Kiefer ist nach der Fichte die zweithäufigste Baumart in Deutschland – an Kiefernnadeln mangelt es also nicht. Die organische, biologisch abbaubare Ressource kann zudem auf einfachem Wege gewonnen werden. Und zwar durch Kooperationen mit Industriezweigen, die das Holz der Kiefern, nicht aber die Nadeln verwenden. Nebenbei hätte die Verwendung von Kiefernnadeln einen erheblichen Vorteil, wenn man bedenkt, dass die ätherischen Öle der Kiefernnadeln auch Ungeziefer wie Motten fernhalten.

In ihrer Masterarbeit geht Katharina Jebsen auf die Aufspaltung der Nadeln ein. Dabei entstehen neue Materialformen wie Papiere, die als Basis für weitere Materialmischungen dienen. Die Ergebnisse der Materialstudie sind wiederum auf diverse Nadelarten übertragbar. Beispielsweise hat sich gezeigt, dass sich auch Tannennadeln für das Bedrucken von Textilien eignen.

katharinajebsen.de

Copyright: Katharina Jebsen

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in unserem Sustainabilty & Textiles Newletter 03/2014.

Marc Chalupsky

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