Einfach und zugleich komplex: Acht Projekte erhalten Auszeichnung im Wettbewerb „Textile Strukturen für neues Bauen“

Die Gewinner des Studentenwettbewerbes „Textile Strukturen für neues Bauen“ stehen fest. Eine internationale Jury aus renommierten Bauingenieuren und Architekten hat sieben Preise sowie eine lobende Erwähnung vergeben. Anlässlich der Techtextil prämiert der Studentenwettbewerb bereits zum 13. Mal innovative Ideen zum Bauen mit Textilien und texilarmierten Werkstoffen. „Die eingereichten Projekte überzeugten die Jury durch ihre faszinierende Verbindung aus Einfachheit und Komplexität. Zudem bekräftigen die prämierten Konzepte die Vielseitigkeit des textilen Bauens: Textilien können verlassene Räume wiederbeleben, das Energiemanagement von Gebäuden verbessern, ein gesundes Raumklima erzeugen, den Bauprozess verkürzen oder etwa Akustik visualisieren,“ sagt Olaf Schmidt, Vice President Textiles & Textile Technologies der Messe Frankfurt.

Die Jury vergab drei Preise in der Kategorie Material Innovationen, jeweils zwei Preise in den Bereichen Composites und Hybridstrukturen sowie Makro-Architektur und eine lobende Erwähnung für ein Projekt der Mikro-Architektur. Die Messe Frankfurt und der Verband TensiNet übergeben alle Preise im Rahmen der Techtextil am 4. Mai 2015 um 16 Uhr auf der Sonderfläche des Studentwettbewerbes (Halle 4.1, H41).

Unterstützt durch den internationalen Verband TensiNet, zeichnet die Techtextil mit diesem Preis Studenten und Young Professionals der Fachrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen und Produktdesign aus. Verantwortlich für die fachlich-wissenschaftliche Betreuung ist Prof. Dr. Dr. E.h. Dr. h.c. Werner Sobek, Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart.

Die Preise in den verschiedenen Kategorien im Überblick:

Makro-Architektur

Den ersten Preis in der Kategorie Marko Architektur erhält Aviary at Bujalacayado, Guadalajara. Eine spanische Studentin hüllt bestehende Gebäude in der spanischen Provinz Guadalajara mit Volieren ein, um verlassene Dörfer wiederzubeleben. Die Konstruktion der Volieren besteht aus einer Seilkonstruktion, die Hülle selbst entsteht durch eine transluzente bioklimatische Textilfassade, die einen bläulichen Schimmer emittiert. Den zweiten Preis erhält ebenfalls ein spanisches Projekt namens Cytomorphic Mutations. Eine zweite Haut aus Textil bei bestehenden Gebäuden ermöglicht es, Wärme, Licht und Luftzufuhr leichter zu regulieren sowie Schatten zu spenden. Das Textil gibt zudem laut Jury den Gebäuden eine verbesserte Atmosphäre – gepaart mit ästhetischer Qualität.

Aviary at Bujalacayado, Guadalajara.Copyright: Leyre Mauleón, Universidad Politécnica de Madrid

Aviary at Bujalacayado, Guadalajara.Copyright: Leyre Mauleón, Universidad Politécnica de Madrid

Material Innovationen

Das Projekt Chromosonic überzeugte die Jury so sehr, dass es den ersten Preis in der Kategorie Material Innovationen bekommt. Eine ungarische Studentin visualisiert Akustik, indem sie durch Schallquellen elektrische Spannung erzeugt, die das Material erwärmt und dadurch optisch reagiert. Durch haptische Prozesse des Betrachters können diese Prozesse manipuliert werden. Den zweiten Preis erhält das französische Projekt LOOP. Aus einzelnen textilen Materialien können dreidimensionale Strukturen gebildet werden, die durch eine Bandbreite an möglichen Gestaltungsvarianten überraschen. Die modularen Konstrukte bilden so strukturelle Elemente wie Wände, Ecken oder Vorhänge. Den dritten Preis bekommt Electronics in non-wovens. Ein belgischer Absolvent entwarf ein hybrides Material, das ein Gewebe unterschiedlicher Funktionsträger zwischen zwei Folien einbindet. So werden leitende und sensorisch aktive Fasern mit Lichtquellen zu einem Netzwerk verwoben. Beim Trennen der Materialien bleibt die Funktion erhalten.

Chromosonic. Copyright: Judit Esyter Karpati, Moholy-Nagi University of Art and Design, Budapest

Chromosonic. Copyright: Judit Esyter Karpati, Moholy-Nagi University of Art and Design, Budapest

 

Composites und Hybridstrukturen

Den ersten Preis in dieser Kategorie erhält ein Projekt der Universität Stuttgart. Breathing Skins stellt einen Raumabschluss nicht als Grenze, sondern als aktives Austauschmedium dar. Variable Perforierungen in der extrem leichten Gebäudehülle regulieren den Luftaustausch, die Oberflächentemperaturen sowie die Licht- und Schallverteilungen. Der zweite Preis geht an das Projekt Rolled Wall. Eine deutsche Studentin entwarf ein textiles Schalungssystem für eine zweischalige Betonwand mit dazwischenliegender Wärmedämmung. Aufgrund der Flexibilität und des geringen Gewichtes der Textilien, Folien und Abstandsgewebe lässt sich das System platzsparend als „Rolled Wall“ zur Baustelle transportieren, ein Vorteil im Bauprozess.

Breathing Skins. Copyright: Tobias Becker, Universität Stuttgart

Breathing Skins. Copyright: Tobias Becker, Universität Stuttgart

Mikro-Architektur

Eine lobende Erwähnung in der Kategorie Mikro-Architektur bekommt das deutsche Projekt Fabric Foam©. Ein leichter Pavillon aus Composite-Materialien zeigt anschaulich, wie die Mikrostruktur eines geknüpften oder gestrickten Gewebes in eine Makrostruktur überführt werden kann. Der zugrunde liegende Verbundbaustoff aus einem umhüllenden textilen Schlauch mit ausgeschäumten Inneren ermöglicht dieses Makroflechtwerk.

Bild oben: Fabric Foam: Ein Projekt von Studenten aus Frankfurt a.M. bekam eine lobende Erwähnung.

 

Marc Chalupsky

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